Presse

Berner Zeitung - Erstellt: 01.12.2017, 15:41 Uhr

 

Link zum Artikel: https://www.bernerzeitung.ch/region/bern/heute-nennen-wir-uns-selber-jugo/story/19315675

 

«Heute nennen wir uns selber Jugos»

 

Balkanmusik-Importeur, Veranstalter, Krankenpfleger: Mario Peric ist ein bestens ­integrierter Bosnier. Regelmässig bringt er angesagte Balkanbands nach Bern – und von den Schweizern kriegt es keiner mit. Warum bloss?

 

«Eine Zeit lang war Jugo ein Schimpfwort. Aber heute nennen wir uns selbst so»: Mario Peric (54) in seinem Club Kultur Shock in der Berner Länggasse.

 

«Eine Zeit lang war Jugo ein Schimpfwort. Aber heute nennen wir uns selbst so»: Mario Peric (54) in seinem Club Kultur Shock in der Berner Länggasse. Bild: Tanja Buchser

Jugo. Darf man das noch sagen? Oder darf man es wieder sagen? «Eine Zeit lang war Jugo ein Schimpfwort. Aber heute nennen wir uns selber so», sagt Mario ­Peric. Seit über dreissig Jahren lebt der gebürtige Bosniake in der Schweiz, die längst zu seiner Heimat geworden ist.

Hier arbeitet er – und hier lebt er seine Leidenschaft, die viel mit seiner Herkunft zu tun hat: Musik. Er veranstaltet Balkanpartys. Es sind die wohl wildesten Parties von Bern – doch das wissen nur gut informierte Nachtschwärmer. Nächste Woche bringt er nun den sehr angesagten Božo Vreo ins Schlachthaus-Theater (siehe Box). Die Veranstaltung ist seit Wochen ausverkauft.

 

«Man spürte es fei e chli»

Mario Peric sitzt auf einem Barhocker in seinem schummrigen Kellerlokal in der Berner Länggasse. Seine langen Haare trägt der 54-Jährige, der kürzlich Grossvater geworden ist, zusammengebunden. «Kultur­ Shock» steht in grossen Lettern über der Bar, daneben ein Schild, das Bier aus Sarajevo anpreist. In diesem Raum hat Peric seine ersten Partys veranstaltet. Mittlerweile ist er auf andere Lokale ausgewichen, die Sicherheitsauflagen sind zu streng geworden.

Perics Berndeutsch ist breit und fast akzentfrei. 1984, Jahre vor dem Krieg, zog es ihn und seine Frau ins Ausland. «Nach Titos Tod spürte man fei e chli, dass das nicht gut kommen wird in Jugoslawien.» Josip Broz Tito (1892–1980) hatte im Zweiten Weltkrieg die Völker auf dem ­Balkan gegen die Faschisten verschworen. Später hielt er den kommunistischen Vielvölkerstaat kompromisslos zusammen. Nach seinem Tod kam es zum Bruch, der in den 1990ern in den Jugoslawien-Kriegen mündete. Viele Menschen flohen. Im Jahr 2000 lebten laut Bundesamt für Statistik 360 000 Ex-Jugoslawen in der Schweiz, heute stammen acht Prozent der Schweizer Bevölkerung aus Ex-Jugoslawien.

 

«Es machte klick»

Peric lebte in den 1980ern vier Jahre in Basel, die Arbeit auf dem Bau gefiel ihm aber nicht. Er ging zurück nach Bosnien, doch nach einem halben Jahr hatte er genug. Er wollte in die Schweiz, dort war ihm wohler. Oder, wie Peric sagt: «Es machte klick.» In Thun fand der gelernte Krankenpfleger eine passende Stelle. 1993, als die erste grosse Migrationswelle einsetzte, eröffnete er einen Plattenladen. Es war das letzte florierende Jahrzehnt des Musikhandels.

«Musik aus Jugoslawien hat mich damals nicht besonders interessiert», sagt Peric. Doch immer öfter fragten ihn Leute vom Balkan, ob er nicht Musik aus der Heimat verkaufe. So begann er Balkanmusik in die Schweiz einzuführen. Und er tat es erfolgreich. «Ich rüstete all die kleinen jugoslawischen Lädeli mit CD-Regalen aus», sagt er. Eine Zeit lang belieferte er über hundert Läden. Musik gegen das Heimweh war ein gutes Geschäft. Er kaufte Künstlern Aufnahmebänder ab und presste in der Länggasse die Alben für den Schweizer Markt.

 

Laut, wild, ausgelassen

Als sich zur Jahrtausendwende abzeichnete, dass das Internet die Musikindustrie in die Knie zwingen würde, stieg er um. Unter seinem Label Kultur Shock organisierte er Konzerte. Er nutzte seine Kontakte und brachte Balkanbands in die Schweiz. Nach den Konzerten legte Mario Peric als DJ auf. Das tut er heute noch. Einmal pro Monat veranstaltet er Konzertabende, den nächsten heute Abend.

Die Partys sind, wie man sich Balkanfeste vorstellt: laut, wild, ausgelassen. Warum eigentlich? Peric lacht. «Es hat schon etwas, dass man dort unten gut feiern kann. Die Musik hat einfach einen ganz anderen Stellenwert als in der Schweiz.» Dort unten aber, in Ex-Jugoslawien, ist Peric nicht mehr zu Hause. «Früher hat es niemanden gekümmert, ob man Kroate, Serbe oder Bosniake war.» Seit dem Krieg sei das Klima mit Nationalismus vergiftet.

«Die Musik hat im Balkan einfach einen ganz anderen Stellenwert als in der Schweiz.»Mario Peric

Das färbte auch auf die Menschen im Exil ab. «Die Serben, die Kroaten, die Muslime: Sie sind alle unter sich, haben ihre eigenen Kulturvereine und ihre eigenen Fussballklubs. Der Nationalismus ist fei e chli ein Thema.» Diese Parallelgesellschaften interessieren Peric nicht. «Sie schotten sich zu stark ab», findet er. Das sei mit ein Grund, weshalb viele Menschen aus dem Balkan noch immer schlecht integriert seien. «Bei denen hat es noch nicht klick gemacht.»

Peric gibt Gegensteuer. Er bucht Jugoslawen aus allen Teilen des Balkans, und zu seinen Konzerten kommen alle, die auf seine Bands stehen. Keinen interessiert die genaue Herkunft des anderen. Und um Bands mit nationalistischem Hintergrund macht Peric einen grossen Bogen.

 

Und die Schweizer? Die bekommen kaum mit, dass da ein bestens integrierter Bosnier Monat für Monat grosse Namen und Entdeckungen nach Bern holt. Doch die Musik ist längst nicht mehr das einzige Standbein von Peric. Er arbeitet wieder in seinem angestammten Beruf als Nachtwächter in einer Klinik für Süchtige. «Ich bin ein Nachtmensch», sagt er und fügt dann augenzwinkernd an: «Manchmal führe ich auch einen ganz normalen Alltag.»


Kultur-Shock-Party: Samstag ab 21 Uhr mit der Band Gipsy Groove, Viento Sur, Lerchenweg 33, Bern.
(Berner Zeitung)

 

Balkanmusik: Turbofolk schlägt Helene Fischer

 

Musik ist wichtig auf dem Balkan. Heute dominiert eine Musikrichtung: Turbofolk. Diese Mischung aus traditioneller Volksmusik, Schlager und Techno wurde in den Jugoslawien-Kriegen in den 1990ern für nationalistische Zwecke missbraucht. Heute hat sich die Musik etwas davon gelöst, für Veranstalter Mario Peric bleibt sie aber «primitiv». In seinem Club wird kein Turbofolk gespielt. Der kommerzielle Erfolg ist jedoch unbestritten: So wurden etwa Youtube-Videos der kroatischen Sängerin Severina über 50 Millionen Mal angeklickt (zum Vergleich: «Atemlos durch die Nacht» von Helene Fischer bringt es auf 26 Millionen Auf­rufe).

Im Berner Kultur Shock dominieren andere Acts: So wie Božo Vre?o, der aus dem serbischen Teil von Bosnien stammt, zwischen den Geschlechtern steht und sehnsüchtigen Sevdah macht. Diese Musikrichtung ist traditionell für Bosnien und Herzegowina. Es sind oft schwermütige Liebeslieder begleitet von Saz, Akkordeon, Violine, Tamburin und Gitarre. Božo Vre?o hat sich in den letzten Jahren vom Geheimtipp zu einem Liebling des Sevdah gemausert. Mit dem androgynen Aussehen und dem dunklen Bart erinnert er an Conchita Wurst – mag diesen Vergleich aber gar nicht. Das anstehende Konzert im Schlachthaus-Theater ist restlos ausverkauft. Doch geht es nach Mario Peric, soll Božo Vre?o bald wieder nach Bern kommen, «wir sind am Verhandeln».

Auch andere grosse Balkanbands haben schon im Kultur Shock gespielt. Zum Beispiel Mostar Sevdah Reunion, die sich seit Ende der 1990er-Jahre ähnlich wie Božo Vre?o der sehnsüchtigen Liebeslyrik widmen. Die siebenköpfige Band reist für die Konzerte um die ganze Welt. Oder das Dubioza Kolektiv, das seit mehr als zehn Jahren tanzbaren Balkanska mit einem Schuss Punk macht, aber erst in der letzten Zeit auch international Beachtung findet. Menschen aus dem Balkan leben nach den Kriegen weltweit verstreut. Die Musik aber bleibt ein verbindendes Element. bol

 

 

Zwischen den Geschlechtern: Sevdah-Sänger Božo Vre?o. (Bild: Sead Sasivarevic)

 

Veranstaltungsreihe

Unter dem Titel «Der jugoslawische Traum» widmet sich das Schlachthaus Theater dem Balkan. Zu sehen ist neben Božo Vre?o das Stück «Vor solchen wie uns haben uns die Eltern immer gewarnt» der Bosnierin Tanja Šljivar. Mirjana Karanovi? führt Regie und spielt mit. Sie ist bekannt aus Emir Kusturicas Filmen. Eine Hommage an sie läuft im Kino Rex. pd

5.-9.12, Schlachthaus Theater. Infos: www.schlachthaus.ch

 

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Kultur Agenda Pressebild vom 11.10.2014

 

Rock`n`balkan

 

 

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"Bund" - Erstellt: 01.06.2014, 13:26 Uhr

 

Nicht Geld schicken – selber helfen

Von Lucia Vasella. Aktualisiert am 01.06.2014

 

Ein Lastwagen aus Bern ist seit gestern unterwegs zu den bosnischen Opfern der Flutkatastrophe. Ob die Hilfsgüter die Bedürftigen erreichen werden, ist noch ungewiss, denn es drohen bürokratische Hürden.

 

Direkte Hilfe: Mario Peric (rechts) mit Ehefrau Alma, Fahrer Elvir Devic (rechts hinten) und weiteren Helfern.

 

Direkte Hilfe: Mario Peric (rechts) mit Ehefrau Alma, Fahrer Elvir Devic (rechts hinten) und weiteren Helfern.
Bild: Valérie Chételat

 

Mario Peric ist erledigt. Während über einer Woche hat der Pflegefachmann Hilfsgüter sortiert. Unterstützt von zahlreichen Helferinnen und Helfern hat er im Vereinslokal Waren verpackt, gewogen, beschriftet und Formulare ausgefüllt. Gestern hat er den Lastwagen auf den Weg geschickt, vollbepackt mit fünf Tonnen Hilfsgüter. Bestimmt sind die Waren für die Bevölkerung des zentralbosnischen Dorfes Topcic Polje. Von dort haben ihn Hilferufe von Verwandten erreicht. Die Menschen hätten kaum zu essen, erzählte ein Mann aus dem Dorf.

«Ich habe den Eindruck, dass in Bosnien ein grosses Chaos bei der Verteilung der Hilfsgüter herrscht», sagt Peric. «Bekannte erzählten mir von Hallen voller Hilfsgüter, die nur schleppend verteilt würden», sagt der gebürtige Bosnier, der seit 1983 in Bern lebt. Das mache ihn wütend und traurig zugleich. Deshalb beschloss er zusammen mit Elvir Delic, der den LKW organisiert hat und nach Bosnien fährt, selbst Güter zu sammeln.

 

Hochwasser und Schlammlawine

Vor zwei Wochen versank das Dorf Topcic Polje nach schweren Regenfällen in den Wassermassen der über die Ufer getretenen Flüsse der Region. Vielen anderen Dörfern und Städten ging es nicht besser. Betroffen von der Flutkatastrophe sind auch grosse Landstriche in Serbien und Kroatien. Allein in Bosnien-Herzegowina sind Zehntausende von Menschen obdachlos, ihre Häuser wurden von den Wassermassen oder den späteren Schlammlawinen beschädigt oder mitgerissen.

Zahlreiche Länder beteiligen sich an der Nothilfe und am Wiederaufbau in der Krisenregion. Die bislang in der Schweiz dafür freigestellten Mittel betragen insgesamt gut 3,5 Millionen Franken.

 

Hilfswerke: Verteilung klappt

Die humanitäre Hilfe des Bundes, angesiedelt bei der Entwicklungsdirektion Deza, schickte Instrumente zur Trinkwasseraufbereitung sowie Wasser- und Umweltexperten. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) und Caritas Schweiz versorgen die Menschen in den Evakuierungszentren mit dem Nötigsten. Ein Chaos bei der Hilfsgüterverteilung können weder der Bund noch die beiden Hilfswerke bestätigen. «Wir verteilen unsere Hilfsgüter über das eigene Netzwerk», sagt Katharina Schindler vom SRK. «Die Kontrolle passiert über unsere Mitarbeitenden vor Ort.» Man könne aber nie ganz ausschliessen, «dass jemand etwas bekommt, das er nicht wirklich benötigt». Der Caritas Schweiz sind keine Unregelmässigkeiten bekannt.

Man merke aber, dass manche Gemeinden wenig Erfahrungen mit Krisensituationen dieses Ausmasses hätten, gibt Erich Ruppen, Programmverantwortlicher für Bosnien-Herzegowina zu Bedenken. Da sich der Bund vorwiegend im Bereich Wasseraufbereitung engagiere, sei man nicht über alle Details der Hilfsgüterverteilung informiert, sagt der Einsatzleiter der humanitären Hilfe für Bosnien, Rudolph von Planta. In Serbien organisiere das Serbische Rote Kreuz einen grossen Teil der Hilfe, in Bosnien sei die Koordination tatsächlich schwieriger, werde aber teilweise von der UNO übernommen.

 

Nur sammeln, was gebraucht wird

Die Sammelaktion des Vereins Kultur Shock ist bei weitem nicht die einzige private Initiative dieser Art. Allein Caritas Schweiz habe rund 50 Anfragen von Privatpersonen erhalten, die Transporte organisieren wollten, sagt Erich Ruppen. Man unterstütze sie mit Geschenkurkunden, was ihnen helfe, die nötigen Zollpapiere zu bekommen. Empfängerorganisation müssten die Personen aber selber suchen. Ohne einen Zielort bringe man einen Hilfsgütertransport nicht über die Grenzen.

Mario Peric hat keine Unterstützung erhalten. Das Schweizerische Rote Kreuz habe ihm empfohlen, Geld zu sammeln. «Wir wollen aber nicht im Sessel sitzen und Geld sammeln, wir wollen selber anpacken und Sachen nach Bosnien bringen und verteilen», erwidert Peric. Private Versände zu unterstützen sei logistisch nicht möglich, bestätigt Katharina Schindler vom Roten Kreuz. Sie findet die Initiativen lobenswert, wichtig sei aber, Güter zu sammeln, die wirklich benötigt werden.

 

Sammeln im Vereinslokal

Eigentlich ist Mario Perics grosse Leidenschaft die Musik. All sein Herzblut steckt er in den Verein Kultur Shock, mit dem er monatlich Balkan-Partys organisiert. Viele namhafte Bands aus seiner ehemaligen Heimat und der Schweiz hat er in den Kultur Shock geholt. Den Sammelaufruf für die Hilfsaktion hat er über Facebook an das Klubpublikum gerichtet. «Wir waren überwältigt von der Solidarität», sagt er. Die Leute hätten Kleider gebracht, Hygieneartikel, Medikamente und Esswaren. «Vielleicht auch deshalb, weil viele gehört haben, dass in Bosnien ein Chaos herrscht.» Mario Peric traut der Koordination der humanitären Hilfe vor Ort auch deshalb nicht, weil er weiss, wie sein ehemaliges Heimatland funktioniert.

Bosnien-Herzegowina steckt wirtschaftlich und politisch in einer schweren Krise. Im Februar dieses Jahres kam es in der Bevölkerung zu wütenden Protesten gegen die Politik und die allgegenwärtige Korruption. Transparency International (TI), die weltweit tätige Organisation zur Korruptionsbekämpfung, teilt Perics Ansicht. «Wir haben für die Meldung von Missbrauchsfällen eigens eine Hotline eingerichtet», sagt Ivana Korjalic von TI Bosnia auf Anfrage. «Besorgte Bürgerinnen und Bürger berichten von Haushalten, die von der Verteilung von Hilfsgütern ausgeschlossen worden sind.» Und von Lebensmittelhändlern, die Produkte zu überteuerten Preisen verkauften. Grund dafür sei die fehlende Koordination der Nothilfe seitens der Behörden. Dies öffne Kriminellen und Profiteuren Tür und Tor. «Bosnien-Herzegowina hat eine lange Tradition intransparenter Verteilung von humanitärer Hilfe.» Nach dem Bürgerkrieg flossen Milliarden ins Land. «Alle Versuche, die Verteilung dieser Gelder transparent zu machen, sind bislang gescheitert.»

 

Trotz seiner Bedenken muss Mario Peric in den sauren Apfel beissen und die in Bern gesammelten Hilfsgüter wohl in dieses intransparente Verteilsystem einspeisen. Nur über das bosnische Rote Kreuz konnte er schnell genug die nötigen Papiere für den Transport bekommen. «Jetzt wollen sie uns den ganzen Hilfstransport wegnehmen, obwohl wir in Topcic Polje schon alles organisiert haben.» Der Bürgermeister erwarte den Transport, Hilfskräfte vor Ort stünden bereit. Doch Mario Peric lässt sich nicht abschrecken, «unser Verein wird weiterhin alles daran setzen, damit die Hilfsgüter in Topcic Polje ankommen». (Der Bund)

 

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Kultur Agenda Pressebild vom 5.2.2014

 

Pressebild Teska industrija

 

 

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"Bund" - Erstellt: 02.11.2013, 12:52 Uhr

 

Link zum Artikel: http://agenda.derbund.ch/home/home/-Mini-Jugoslawien-im-Tscharni/story/19122319/

 

«Mini-Jugoslawien» im Tscharni

Von Gisela Feuz. Aktualisiert um 12:52 AGENDA Der Bund

 

Die serbischen Urgesteine Yu Grupa spielen psychedelischen Balkanrock im Berner Quartierzentrum.

 

 

Samstag, 2.11.2013 - YU grupa Quartierzentrum Tscharnergut 

 

 

 

«Eigentlich bin ich persönlich ja nicht balkanbeschränkt», definiert Mario Peric grinsend seine musikalischen Vorlieben. Der gebürtige Bosnier lebt seit rund 30 Jahren in der Schweiz und veranstaltet in seiner Freizeit unter dem Namen «Kulturshock» Konzerte, für welche er Bands vom Balkan nach Bern holt. Diese musikalische Linie habe sich mit der Zeit so ergeben, weil sich vor allem ein balkaninteressiertes Publikum mit entsprechenden Erwartungen bei ihm eingefunden hätte, begründet der 50-Jährige die Programm-Ausrichtung.

 

Ursprünglich hatten die Kulturshock-Partys im Länggassquartier stattgefunden, aufgrund von Lärmklagen hat Peric aber nach sechs Jahren den Veranstaltungsort wechseln müssen und nun im Quartierzentrum Tscharnergut – oder kurz: Tscharni – Unterschlupf gefunden. Bei ihm seien alle willkommen, so Peric, egal ob serbischer, bosnischer, mazedonischer, albanischer, kroatischer oder schweizerischer Herkunft. Nein, Nationalismus habe definitiv keinen Platz bei Kulturshock, es gehe eher zu und her wie in einem «Mini-Jugoslawien», in welchem verschiedene Sprachen, Mentalitäten und Ansichten unter einem Dach vertreten seien. Und ausserdem seien auch immer viele Schweizerinnen und Schweizer mit von der Partie, wenn einmal pro Monat gefeiert wird im Tscharni.

 

Mit Yu Grupa bringt Peric diesen Samstag eine Band nach Bern, deren Name auf dem Balkan jedem Kind geläufig ist und die zu Hause vor 50 000 Leuten auftritt. Die serbischen Urgesteine rund um den 66-jährigen Frontmann Dragi Jelic präsentieren ihren Rock mal progressiv, mal psychedelisch angehaucht und mal mit Einflüssen aus der jugoslawischen Volksmusik versetzt. Gespielt wird mit Verve und Temperament, und die Hardrock-Gitarrensoli, welche die älteren Herren ihren Instrumenten entlocken, dürften die Augen von gar manchem Jungspund zum Glänzen bringen im «Mini-Jugoslawien» im Tscharni.


Yu Grupa ist eine serbische (ehem. jugoslawische) Rock Band. Sie kombiniert in ihrer Musik Elemente aus der Volksmusik mit Rock aus der früheren jugoslawischen Rockszene.
Seit ihrem über 40-jährigen Bestehen hat die Gruppe geschafft, dass sie immer noch eine sehr anerkannte Band aus dem ex-jugoslawischen Raum ist und zählt heute zu dem am längsten bestehenden Rockband aus diesem Gebiet.

 

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Bernerbär & BümplitzWoche - Erstellt: 31.1.2013

 

Link zum Artikel: http://www.bernerbaer.ch/fileadmin/bw-epaper/pdf/2013BuWo-005-005-4f-3101-1.pdf

 

BümplizWoche & Bernerbär Artikel

 

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Norient - Erstellt: 26.3.2012

 

Link zum Artikel: https://norient.com/blog/dubioza-kolektiv/

 

Protest im Kolektiv

By Lucia Vasella on 26 March 2012 in BLOG

Mit multiplen Balkansounds und kritischen Texten auf bosnisch und englisch ist die Band Dubioza Kolektiv aus Zenica (Bosnien-Herzegowina) vor allem in Südosteuropa beliebt. Mario Perić, Referenzfigur in der Berner Balkan-Community und Begründer des Underground-Clubs Kultur Shock, holt das Septett am Wochenende nach Bern und Zürich.

Es gibt Balkan-Musik und Musik aus dem Balkan. Das Eine hat oft mit dem Anderen wenig zu tun, denn ein Grossteil der balkanischen Sounds, die unsere Bühnen und Tanzflächen beschallen, sind auf der Halbinsel zwischen Adria und Schwarzem Meer gänzlich unbekannt. Umso empfehlenswerter ist darum ein musikalischer Leckerbissen, der in Kürze in Bern und Zürich live zu erleben ist:Dubioza Kolektiv aus Bosnien-Herzegowina. Die in ganz Südosteuropa populäre Band fusioniert Hip-Hop, Dub, Reggae, Punk und Balkan-Rhythmen und -Melodien. Mario Perić hat Dubioza Kolektiv nun in die Schweiz eingeladen. Er betreibt den Underground-Balkan-Club Kultur Shock in Bern, wo auch die seit etwa fünf Jahren gehypten Balkan Beats live und von Platte erklingen. Perić legt beim Booking darauf Wert, dass sich die Musik nicht zu sehr von dem wegbewegt, was auf dem Balkan auch tatsächlich gehört wird.

Interview mit Mario Perić im Kultur Shock am 3.3.2012 mit Musik vom Šuma Čovjek Orkestar

Mario Perić hinterm DJ-Pult im Berner Club Kultur Shock


Switching Protest

Gerade bei Dubioza Kolektiv spürt man einen Unterschied: Die Band bedient sich zwar ebenso wie Shantel und Co den gerade so populären Rhythmen und Melodien der Balkan Beats. Doch geht es dem Kollektiv nicht nur darum die Menschen auf die Tanzfläche zu bringen, sondern auch auf die Strasse. Das Kollektiv hat was zu sagen und dank ihrer Musik hört man zu: mit ihren Texten benennen sie gesellschaftliche Missstände und stellen die dafür Verantwortlichen an den Pranger. Ihre Lieder sind teils auf Bosnisch, teils auf Englisch – und zwar mit System: Singt die Band bosnisch, will sie die Menschen vor Ort aufrütteln. Sie zeigt mit dem Finger auf korrupte Politiker, illegale Firmen und auf den nach wie vor präsenten Nationalismus, den die sieben Musiker als Jugendliche im Krieg hautnah miterlebt haben.

Singt die Band englisch, richtet sie sich an ein westeuropäisches Publikum – im Mittelpunkt steht der Aussenblick auf den Balkan und die Migrationspolitik. „I’m from Bosnia take me to America, I really want to see Statue of Liberty, I can no longer wait, take me to United States, take me to Golden Gate, I will assimilate¨ singt der Sänger Almir Hasanbegović beispielsweise mit dickem osteuropäischen Akzent im Song “U.S.A.”. Davon, dass Bosnien nur beim Eurovision Song Contest zu Europa zählen darf, handelt der „Euro Song“: „I’m sick of being European, just on Euro Song“. Beide Songs sind auf dem aktuellen Album “Wild Wild East” zu finden, welches die Band – nach eigenen Angaben – eigens für den Export geschrieben hat.

Soundtrack der Jugendbewegung

Mit den Veröffentlichungen der letzten beiden bosnischen Alben „Firma Illegal“ und „5 do 12“ (Gratis Download) hat das Dubioza Kolektiv bewiesen, dass sie auch leben was sie predigen. Bei der unabhängigen Jugendbewegung “Dosta“ (Genug), um die es leider in letzter Zeit ziemlich still geworden ist, war das Kollektiv ganz vorne dabei. Es schrieb gemeinsam mit dem Rapper Frenkie die Hymne zu den Protesten und organisierte ein großes Konzert vor den Wahlen 2006. Die Neuerscheinung des Albums “Firma Illegal“ präsentierten sie vor dem bosnischen Parlament – als Zeichen gegen die korrupte Regierung. Vor den Wahlen im Herbst 2010 gab die Band in allen bosnischen Großstädten Konzerte, um so die junge Bevölkerung an die Urnen zu bringen.



Zu politischen Botschaften und Protestbewegungen eignet sich die Musik von Dubioza bestens: Balkanrhythmen lassen aufspringen und rütteln an den Hüften, Punk und Rap wecken die nötige Wut, der aber von Reggae-Gitarren und melodiösen Gesänge sofort wieder gedämpft wird. Am Ende lässt der mitreissende Mix ein positives Gefühl zurück. Die Band nimmt ihre Musik ernst. Und was rundherum passiert auch.


Dubioza Kolektiv
Freitag 30. März, Alte Kaserne Zürich
Samstag 31. März, Tscharni, Bern

norient wird weiter über den Berner Balkan-Underground und das Kultur Shock berichten. Bis dahin gibt’s Balkanisches aus dem Archiv

 

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"Bund" - Erstellt: 03.10.2010, 13:50 Uhr

 

Link zum Artikel: https://blog.derbund.ch/kulturstattbern/blog/2010/10/03/kulturshock-in-der-langgasse/

 

Kulturshock in der Länggasse

 

Von Gisela Feuz am Sonntag, den 3. Oktober 2010, um 13:50 Uhr

 

Gestern fühlte man sich ein bisschen wie in den Ferien in der Länggasse: Drinnen gabs Slivovitz und draussen wurden beim Rauchen lustige Räuberpistolen (glaubs) erzählt und zwar mehrheitlich in Bosnisch (glaubs). Der Kulturshock, das kleine aber feine Vereinslokal vis-à-vis der Uni Tobler, hatte zwei Herren eingeladen, die für Liebhaber von traditioneller Balkan-Musik keine Unbekannten sind: Miso und Sandi, die beiden Frontmänner der legendären Mostar Sevdah Reunion, bearbeiteten gestern als Duo «The Old Bridge» ihre Gitarren, was eine beachtliche Anzahl Leute anzulocken vermochte.

Von einem Publikum, wie es Miso und Sandi gestern hatten, kann jede Musiktruppe nur träumen: Viele schöne Menschen, die von den ersten Klängen an freudenstrahlend und glückselig auf  Tischen und Bänken tanzen, mitsingen und wild klatschen. So muss es sein. Bunt gemischt war das Publikum, der Frauenanteil war hoch und das tut bekanntlich jeder Party gut, denn schlussendlich sind es immer die Damen, welche die Tanzfläche als erstes betreten und wo viele Damen sind, hats früher oder später naturgemäss auch viele Herren, die sich dann in Anwesenheit vieler Damen auch nicht so brüllaffig benehmen, wie sie das sonst im eigenen Rudel offenbar manchmal tun müssen.

kulturshock

Man konnte gar nicht anders, als sich anstecken lassen von der sympathischen Ausgelassenheit, die gestern herrschte, von Kulturschock war weit und breit nichts zu spüren oder zu sehen. Ganz im Gegenteil ertappte man sich dabei, wie man bei der wilden Hüpferei munter mittat, dabei allerdings eine definitv weniger gute Falle machte, als all die Tanz-Experten ringsherum. Deren Geheimnis? Ich habs rausgefunden. Slivovitz. Das Zeugs verleiht Zusatzgelenke.